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Zahnbehandlung der Zukunft: Wo geht die Reise hin?

Bis ins 19. Jahrhundert hinein galt die Zahnmedizin nicht einmal als vollwertiges Teilgebiet der Humanmedizin. Mit der Behandlung erkrankter Zähne befassten sich Bader und Barbiere. Seither sind immense wissenschaftliche und therapeutische Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt worden: Lokalanästhesien, Zahnimplantate, Prophylaxe und die schmerzfreie und im Ergebnis sogar ästhetische Behandlung von Karies sind für uns heute Alltag geworden. Aber was erwartet uns in Zukunft? Zähne aus Stammzellen, eine Impfung gegen Karies und Zahnbehandlungsroboter – nichts ist unmöglich. Überall auf der Welt wird an neuen Behandlungsmethoden geforscht.

Nie wieder Karies?

Karies, umgangssprachlich auch Zahnfäule genannt, ist eine der häufigsten Krankheiten weltweit. Nur wenige Menschen bleiben im Laufe ihres Lebens von Löchern im Zahn und anderen verheerenden Auswirkungen der Erkrankung verschont. Trotz Prophylaxebehandlungen, aktiver Aufklärungsarbeit zu Mundhygiene in den Schulen und der Fluoridierung von Zahnpasta greift die Seuche Karies noch immer um sich. Das soll sich jetzt ändern. Seit über zehn Jahren forschen Wissenschaftler des Forsyth-Instituts in Boston an einer Impfung gegen Karies. Die Erkrankung wird meist durch das Bakterium Streptococcus mutans verursacht, das sich aufgrund günstiger Bedingungen – ausreichend Kohlehydratzufuhr und ein saures Milieu im Mundraum – vermehren und so zahnschädigende Ausscheidungen produzieren kann. Die Impfung, die nasal appliziert, d. h. als Nasenspray verabreicht wird, soll dazu führen, dass Antikörper gegen dieses Bakterium ausgebildet werden, sodass keine Besiedelung der Zähne mehr stattfinden kann. Im Tierversuch war das Verfahren bereits erfolgreich. Sobald der Impfstoff für menschliche Patienten auf den Markt kommt, sollte er günstigstenfalls Kindern zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr verabreicht werden. In dieser Zeit siedeln sich die ersten schädlichen Bakterien im Mund an.

Eine andere Methode zur effektiven Kariesbekämpfung haben Wissenschaftler der Organobalance GmBH und der Future-Business-Abteilung der BASF entwickelt. Mit speziellen Milchsäurebakterien (Lactobacillus paracasei) soll der Karieserreger buchstäblich aus dem Mund gespült werden. Die Milchsäurebakterien, die in Zahnpasta oder Mundwasser enthalten sein können, verbinden sich mit Streptococcus mutans zu kleinen Klümpchen, die dann, beim Spülen, einfach ausgespuckt werden. Eine kroatische Firma hat bereits eine entsprechende Zahncreme auf den Markt gebracht.

Zähne züchten im Labor

Zahnersatz ist noch immer kostspielig und häufig mit einer Reihe von unangenehmen Behandlungen und Nachsorgebehandlungen verbunden. Brücken, Prothesen und Implantate sind aber vielleicht bald Geschichte. Schon seit langem versuchen Forscher eine Methode zu entwickeln, um fehlende Zähne im Labor oder sogar direkt im Kiefer nachzuzüchten. Wissenschaftler der Harvard University in den USA waren bereits in der Lage, Dentin, also das empfindliche Gewebe unter dem Zahnschmelz, mithilfe von Stammzellen und Lichtimpulsen nachwachsen zu lassen. Mithilfe dieses Verfahrens können zukünftig womöglich durch Karies entstandene Löcher mit natürlichem Zahnmaterial geschlossen werden.

An der Columbia University, ebenfalls in den USA, ist ein Forscherteam sogar noch weitergegangen: Dort möchte man Zähne direkt im Kiefer wachsen lassen. Dies soll mithilfe eines engmaschigen Gerüsts ermöglicht werden, das in den Kiefer eingesetzt wird. Im Material enthalten sind wachstumsfördernde Substanzen, die einen neuen Zahn entstehen lassen sollen. Durch das Gerüst nimmt der neue Zahn die gewünschte Form an. Das Verfahren wurde bereits erfolgreich an Ratten getestet, denen innerhalb von 9 Wochen ein neuer Zahn wuchs. Inzwischen wird das Gerüst auch an ersten menschlichen Testpersonen erprobt.

Solche Verfahren bringen selbstverständlich gewisse Risiken mit sich. Abgesehen von ethischen Bedenken wegen der Verwendung von Stammzellen, ist nicht einmal sicher, ob die Methode beim Menschen ähnlich effektiv durchgeführt werden kann, wie bei einer Laborratte. Bisher gehen Forscher davon aus, dass wohl nach wie vor Überkronungen nötig sein werden, um den gezüchteten Zahn zu vervollständigen. Darüber hinaus werden Bedenken wegen etwaiger Krebsrisiken durch unkontrollierbares Zellwachstum geäußert.

Roboter erobern die Zahnmedizin

Vielleicht wird der Beruf des Zahnarztes zukünftig aber auch vollständig abgeschafft. Die Behandlung von Karies und Co. wird dann womöglich von Robotern übernommen werden. Der Prototyp eines solchen Roboters ist die sogenannte „Dental machine“. Das Gerät wird fest im Mund des Patienten verankert. Es ist mit Bohrer, Kamera, LED und Wasserzufuhr ausgestattet und kann in Windeseile Bohrungen vornehmen und Löcher auffüllen. Bisher ist die Maschine zwar noch auf menschliche Steuerung angewiesen, dies soll sich aber in Zukunft ändern.

Bis es aber so weit ist, bis wir Zähne im Labor beliebig nachzüchten können, gegen Karies geimpft werden und kleine Roboter unsere Zahnärzte ersetzen, sind eine gründliche Mundhygiene und regelmäßige Prophylaxebehandlungen der beste Weg, um bis ins hohe Alter mit einem strahlend weißen Lächeln zu glänzen.