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Zahnbehandlung damals und heute: Überblick

Die Geschichte der Zahnmedizin ist eine wechselhafte Geschichte der Irrtümer, des Aberglaubens, aber auch der erstaunlichen Entdeckungen und Behandlungsmethoden. Während bereits in der Altsteinzeit Zahnbohrungen durchgeführt wurden, glaubte man in Teilen der Welt bis ins 19. Jahrhundert hinein an den dämonischen Karieswurm, der sich vom Blut der Zähne ernährt. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich in Europa der Beruf des Zahnarztes herauszubilden. Es dauerte aber bis in die 1970er Jahre, bis ein findiger Wissenschaftler die tatsächliche Ursache für Karieserkrankungen entdeckte.

Beruf Zahnarzt – Eine Erfindung der Neuzeit

Zahnbehandlungen wurden bereits durchgeführt, als der Mensch noch nicht sesshaft geworden war. Das beweisen archäologische Funde aus Norditalien. Dort wurde der Schädel eines Mannes entdeckt, der um 14.000 v. Chr., also in der ausgehenden Altsteinzeit lebte. Im Kiefer des Mannes befand sich ein kariöser Zahn, dessen Loch mit einer Steinklinge behandelt worden war [1]. Der erste uns heute bekannte Zahnarzt der Menschheitsgeschichte aber war ein Ägypter namens Hesire, der etwa um 2.700 v. Chr. lebte. Er ging als „Großer der Zahnärzte und Ärzte“ in die Geschichte ein [2]. Auch in der griechischen und römischen Antike wurden bereits zahllose Zahnbehandlungen durchgeführt, allerdings üblicherweise von Ärzten und Heilern, die – wie Hesire – nicht nur für Zahnerkrankungen zuständig waren. Die Geschichtsschreibung berichtet von Zahnersatz aus Gold oder Elfenbein, von Bohrungen, Zahnfüllungen und Schmerzbehandlungen [3]. In Indien um 500 v. Chr. sind bereits erste pflanzliche Anästhesien bei solchen Behandlungen durchgeführt worden [4].

Im Mittelalter etablierten sich schließlich die Berufe des Baders und des Barbiers in Europa. Diese waren für Zahnbehandlungen und Friseurtätigkeiten zuständig. In der Regel bedeutete ein Besuch beim Bader oder beim Barbier wegen akuter Zahnschmerzen eine Zahnextraktion. Unter Ärzten galt die Behandlung von Zähnen als niedrige Tätigkeit. Der Berufsstand Zahnarzt etablierte sich schließlich erst im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert [2].

Vom Karieswurm zur Plaquehypothese

Bis in die Neuzeit hinein war die Behandlung von Krankheiten aller Art mit den jeweils etablierten religiösen und spirituellen Vorstellungen verknüpft. So ist es nicht immer möglich, zwischen medizinisch notwendigen und kultischen bzw. rituellen Zahnbehandlungen zu unterscheiden. Bis zum Ende der Jungsteinzeit war es Brauch, in einem Ritual die Frontzähne zu entfernen, ohne dass ein medizinischer Anlass bestand [5]. Ein gutes Beispiel für diese enge Verbindung von religiösen Mythen und Medizingeschichte ist der Karieswurm. Erstmals machten die Sumerer dieses dämonische Tier für Zahnweh und Zahnfäule verantwortlich. Dies bezeugt ein Dokument aus der Zeit um etwa 1800 v. Chr. Der Zahnwurm war der Legende nach ein wurmartiges Geschöpf, das den babylonischen Sonnengott Schamasch anflehte, sich statt von Früchten vom Blut der Zähne ernähren zu dürfen. Wie ein Dämon wurde er mit einer Beschwörungsformel als Strafe für diese unflätige Bitte zur Behandlung von Zahnschmerzen rituell gebannt. Die Vorstellung vom Karieswurm hielt sich hartnäckig. Hildegard von Bingen, eine mittelalterliche Heilige und Heilerin, tradierte diese fast drei Jahrtausende später noch in Europa. Bis ins 19. Jahrhundert hinein glaubte man an den zähnefressenden Wurm [6]. Erst 1843 wurde die Wurmtheorie von der Parasitentheorie ersetzt. Es folgten viele weitere Theorien bis schließlich von zwei Forschern 1976 die „spezifische Plaquehypothese“ veröffentlicht wurde, die erst in den 90er Jahren zur „ökologischen Plaquehypothese“ weiterentwickelt werden konnte. Diese besagt, dass Karies durch säurebildende Bakterien verursacht wird, die auf die Verfügbarkeit von Kohlenhydraten angewiesen sind [2].

Vom Zahnputzholz zur Zahnbürste

Die Geschichte der Zahnbehandlung ist zugleich die Geschichte der Zahnhygiene. Seit Beginn der Geschichtsschreibung sind die verschiedensten Techniken zur Zahnpflege verwendet worden. Im Altertum benutze man die Zweige des sogenannten Zahnbürstenbaums, um sich die Zähne zu reinigen. Diese enthalten nicht nur kleine, körnige Putzkörper, sondern auch desinfizierende Substanzen und Fluoride zur Prävention von Karies. In der Antike waren Kauhölzer und Pflanzenextrakte gebräuchlich. Im alten Rom putze man sich die Zähne mit Urin – eine Maßnahme, die sich in Europa bis ins 20. Jahrhundert hinein zur Schmerzbehandlung hielt. Die erste Zahnbürste wurde in China im Mittelalter aus Schweineborsten hergestellt. Die Borsten allerdings wurden bei der Herstellung gekürzt, sodass die scharfkantigen und spitzen Enden häufig Verletzungen und Schäden an den Zähnen verursachten. Die erste Massenproduktion einer solchen Bürste startete 1750 in England [7]. Doch erst 1890 propagierte der amerikanische Arzt Willoughby D. Miller die Notwendigkeit einer gründlichen Zahnhygiene zur Prävention von Erkrankungen: „A clean tooth never declays“ („Ein sauberer Zahn wird niemals krank“). Etwa in dieser Zeit wurde das Zähneputzen alltägliche hygienische Praxis [8].

Quellenangaben:

[1] G. Oxilia, M Peresani et al.: „Earliest evidence of dental caries manipulation in the Late Upper Palaeolithic“, http://www.nature.com/articles/srep12150, 25.01.2017 [2] T. Wilwerding: „History of Dentistry“, http://www.freeinfosociety.com/media/pdf/4551.pdf, 25.01.2017 [3] W. Hoffmann-Axthelm: Die Geschichte der Zahnheilkunde. Quintessenz, 1985, S. 180 ff. [4] D. P. Agrawal: „Susruta: The Great Surgeon of Yore“, http://www.infinityfoundation.com/mandala/t_es/t_es_agraw_susruta.htm, 25.01.2017 [5] L. T. Humphrey, I. De Groote, J. Morales et al.: „Earliest evidence for caries and exploitation of starchy plant foods in Pleistocene hunter-gatherers from Morocco“, http://www.pnas.org/content/11... [6] A. Hubmann: „Der Zahnwurm. Die Geschichte eines volksheilkundlichen Glaubens“, https://epub.uni-regensburg.de/10806/, 25.01.2017 [7] „Kurze Geschichte der Zahnmedizin“, http://www.gesundheit.de/krankheiten/mund-und-zaehne/mundgesundheit-und-zahngesundheit/kurze-geschichte-der-zahnmedizin, 25.01.2017 [8] W. D. Miller: „The Micro-Organisms of the Human Mouth“, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jobm.19740140117/, 25.01.2017