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Milchzahn ziehen wie ein Olympiasieger: Tipps

Etwa um das sechste Lebensjahr eines Kindes herum beginnt der Wechsel vom Milchzahngebiss zu den bleibenden Zähnen. Eine aufregende Zeit für die Kinder: Jeder Wackelzahn spornt den Erfindungsreichtum von Eltern und Heranwachsenden an. Soll das Ausfallen des Zahnes beschleunigt werden? Und falls ja, wie? Oder ist es nicht doch besser, den lockeren Milchzahn so lange wie möglich im Mund zu halten? Tatsächlich lohnt es sich, Geduld zu zeigen und abzuwarten, bis jeder Milchzahn von selbst ausgefallen ist. Nur in Ausnahmefällen muss beim Zahnwechsel durch den Zahnarzt nachgeholfen werden.

Was passiert beim Zahnwechsel?

Als Zahnwechsel oder zweite permanente Dentition wird das schrittweise Ausfallen des Milchgebisses und der Durchbruch der zweiten, bleibenden Zähne bezeichnet. Der Zahnwechsel dauert etwa vom sechsten Lebensjahr eines Kindes bis zum Abschluss seines vierzehnten Lebensjahres. Während die Backenzähne (Molaren) lediglich durchbrechen müssen, müssen Prämolaren, Eck- und Schneidezähne sich gegen ihr jeweiliges Milchzahnpendant durchsetzen. Zu jedem Milchzahn ist ein bleibender Zahn im Kiefer angelegt. Die Voraussetzung eines erfolgreichen Zahnwechsels ist der Abbau der Milchzahnwurzel durch sogenannte Dentoklasten. Das sind Zellen, die für die Resorption der Wurzel verantwortlich sind. Ist die Wurzel teilweise oder vollständig aufgelöst, ist der Milchzahn nur noch lose bzw. gar nicht mehr im Kiefer verankert: Er wackelt [1][2].

Der Zahnwechsel verläuft bei den meisten Kindern nach einem bestimmten Schema. Zunächst brechen die ersten Molaren durch. Erst danach fallen die Milchschneidezähne aus. Es entstehen die für Grundschulkinder so charakteristischen Frontzahnlücken. Ein Gebiss, das aus Milchzähnen und bleibenden Zähnen besteht, nennt man Wechselgebiss. Der Durchbruch der Weisheitszähne, also der dritten Molaren, ist vom Zahnwechsel ausgenommen. Er erfolgt meist erst nach dem sechzehnten Lebensjahr, insofern die Weisheitszähne im Kiefer überhaupt angelegt sind [2]. Folgende Tabelle bietet eine Übersicht über den Ablauf des Zahnwechsels [3]:

LebensjahrZähne
6. bis 7.1. Molar
6. bis 8.Mittlerer Schneidezahn
8. bis 9.Seitlicher Schneidezahn
9. bis 11.Eckzahn im Unterkiefer
10. bis 12.1. Prämolar
11. bis 13.Eckzahn im Oberkiefer
11. bis 13.2. Prämolar
12. bis 14.2. Molar

Wackelzahn – Was nun?

Wenn die ersten Zähne zu wackeln beginnen, ist das für Kinder häufig ein großes Ereignis. Der betreffende Zahn wird ständig begutachtet, mit der Zunge betastet, anderen präsentiert und natürlich wird daran gewackelt. Kinder können es häufig gar nicht erwartet, dass der Wackelkandidat endlich ausfällt. Sie ersinnen die verschiedensten Methoden, um das Ausfallen zu beschleunigen: Von Fäden, die an Türklinken gebunden werden bis hin zu exzessivem Wackeln und Drehen des Zahnes wird das ganze Spektrum der Möglichkeiten ausgelotet. Dabei ist es aus medizinischer Sicht am sinnvollsten, dem Wechselprozess einfach seinen Lauf zu lassen. Auf keinen Fall sollte ein Milchzahn mit Gewalt ohne die Hilfe eines Zahnarztes gezogen werden, weil sonst starke Blutungen und Verletzungen entstehen können. Im Regelfall dauert das Ausfallen eines Zahnes nicht länger als ein paar Wochen. In dieser Zeit sollten Eltern darauf achten, dass ihr Kind sich trotz allem gründlich die Zähne putzt und auch die betreffende Stelle dabei nicht auslässt. Gegen vorsichtiges Wackeln mit der Zunge oder mit den Fingern ist nichts einzuwenden; der Zahn sollte aber nicht gedreht werden und es sollte nicht mit Gewalt versucht werden, ihn weiter zu lockern. Harte Lebensmittel wie Äpfel, Karotten oder knusprige Brötchen können das Ausfallen beschleunigen. Die Angst vieler Eltern, der lockere Zahn könne im Schlaf verschluckt werden, ist dagegen unbegründet. Dies geschieht tatsächlich nur äußerst selten. Ist der Zahn endlich ausgefallen, sollte die Lücke für eine Weile in Ruhe gelassen werden, bis die Blutung gestillt ist [1][2].

Wann zum Zahnarzt?

Bei den meisten Kindern läuft der Zahnwechsel reibungslos ab. Wollen Milchzähne allerdings einfach nicht ausfallen, kann das verschiedene Ursachen haben. Karies kann zum Beispiel verhindern, dass die Milchzahnwurzel ordnungsgemäß absorbiert wird. Es kann aber auch durch Fehlstellungen der bleibenden Zähne im Kiefer dazu kommen, dass diese an den Milchzähnen vorbei durchbrechen. Dies führt unter Umständen zu gravierenden Zahnfehlstellungen. Schließlich sind bei einigen Kindern bestimmte bleibende Zähne im Kiefer nicht angelegt. Meistens betrifft das die oberen zweiten Schneidezähne oder die Prämolaren. In diesem Fall ist es wichtig, den Milchzahn so lange wie möglich gesund zu erhalten.

Zu Ablaufstörungen beim Zahnwechsel kann es natürlich auch durch den vorzeitigen Verlust von Milchzähnen durch kariesbedingte Zahnextraktionen oder Unfälle kommen. Ein Arzt sollte immer dann aufgesucht werden, wenn ein Wackelzahn über einen längeren Zeitraum als zwei bis drei Monate nicht ausfällt, wenn das betreffende Kind an Schmerzen oder Blutungen leidet, wenn die bleibenden Zähne neben dem Milchzahn durchbrechen oder wenn bestimmte Milchzähne überhaupt nicht ausfallen wollen [1].

Während des Zahnwechsels ist eine gründliche Mundhygiene besonders wichtig. So kann die Zahnfee ihre kleinen Klienten in regelmäßigen Abständen mit Taschengeld oder anderen Geschenken belohnen und die Kleinen dürfen stolz ihre Zahnlücken präsentieren.

Quellenangabe:

[1] H. J. Staehle, M. J. Koch: Kinder- und Jugendzahnheilkunde. Deutscher Ärzte-Verlag, 1996, S. 42 ff. [2] H. J. M. van Waes, P. W. Stöckli: Kinderzahnmedizin. Thieme, 2001, S. 19 ff. [3] „Zahnwechsel. Interaktive Grafik“, http://www.prodente.de/prophylaxe/einzelansicht/kinder-jugendliche/zahnwechsel-interaktive-grafik.html, 30.01.2017