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Die Zähne unserer Nachbarn – Zahnmedizinische Versorgung im europäischen Vergleich

Zahnarztbehandlungen sind häufig nicht nur unangenehm, sondern auch teuer. Nicht selten erwarten den ohnehin schon geplagten Patienten unbezahlbare Rechnungen, die die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nicht erstattet. Deshalb haben der Stiftung Warentest zufolge inzwischen etwa 14 Millionen Deutsche eine private Zahnzusatzversicherung abgeschlossen (Stand: Januar 2015). Diese übernimmt die anfallenden Behandlungskosten oder wenigstens einen Teil davon und befreit den Versicherten so von seinen Sorgen. Die Notwendigkeit einer solchen Zahnzusatzversicherung in Deutschland sorgt in der Bevölkerung für Unzufriedenheit und mangelndes Vertrauen in unser Gesundheitssystem. Warum sind die Kassen nicht bereit, unsere zahnmedizinische Versorgung vollständig zu übernehmen? Dabei werden hierzulande im Vergleich mit anderen europäischen Ländern die geringsten Selbstbeteiligungen gefordert. Die im März 2015 veröffentlichte Studie zur europaweiten zahnmedizinischen Versorgung EURO-Z-II zeigt: wir schimpfen auf hohem Niveau.[1][2]

Systemvergleich: Deutschland bietet Spitzenleistungen

1999 wurde erstmals eine Studie zum Vergleich der zahnmedizinischen Versorgung in Europa, die EURO-Z-Studie, durchgeführt. Die Initiatoren und Ausführenden der Studie waren die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Verglichen wurde dabei die Versorgung in 6 verschiedenen Ländern, in Frankreich, den Niederlanden, Ungarn, Dänemark, Großbritannien und in der Schweiz, mit der deutschen Versorgungslage. Dabei spielten qualitative Aspekte keine Rolle, vielmehr wurde die Finanzierung der zahnärztlichen Leistungen untersucht. Die Einführung einer neuen Währung in Teilen Europas sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung legten vor einigen Jahren nahe, die Studie zu aktualisieren. Im März 2015 wurde schließlich die EURO-Z-II-Studie veröffentlicht, in der sich zeigt: Deutschland liegt im europaweiten Vergleich der zahnmedizinischen Versorgungslage noch immer ganz weit vorn.[2]

Die Kosten zahnärztlicher Behandlungen bewegen sich hierzulande, vergleicht man sie mit anderen Ländern, eher im Mittelfeld. Während in der Schweiz, in Dänemark und den Niederlanden deutlich höhere Behandlungskosten als in Deutschland entstehen, fallen Frankreich, Großbritannien und Ungarn eher zurück. Die Studie zeigt außerdem: in Deutschland ist die Selbstbeteiligung für die zahnmedizinische Versorgung deutlich geringer als in jedem der sechs anderen, in der Studie berücksichtigten Länder.[3]

Verschiedene Systeme – verschiedene Leistungen

Obwohl in Deutschland eine zahnmedizinische Versorgung eher durchschnittlich hohe Kosten verursacht, fallen für den Versicherten deutliche geringere Selbstbeteiligungen an. Die von Land zu Land so unterschiedlich ausfallenden Ergebnisse lassen sich durch die verschiedenen Gesundheitssysteme erklären, die in den einzelnen Ländern politisch gewachsen sind und die Versorgungslage beeinflussen. Deutschland, Frankreich und die Niederlande haben ein Sozialversicherungssystem etabliert, das nach seinem Erfinder auch Bismarck-System genannt wird. In diesen Ländern wird die medizinische Versorgung durch Beitragszahlungen zu einer gesetzlich vorgeschriebenen Krankenversicherung finanziert. Großbritannien und Dänemark dagegen bestreiten die Kosten, die ihr Gesundheitssystem verursacht, mit Steuergeldern. Das nennt man Beveridge-System. In Ungarn schließlich ist die medizinische Versorgung vollkommen staatlich reguliert, finanziert und gelenkt. Nach einem sowjetischen Gesundheitsminister wird dieses System Semashko-System genannt. In der Schweiz dagegen herrscht eine Mischform verschiedener Systeme.[4][5]

Im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Gesundheitssystemen werden in Deutschland zahnärztliche Behandlungen Erwachsener durchaus als medizinisch notwendig betrachtet. Deshalb übernehmen gesetzliche Krankenversicherungen einem Regelversorgungskatalog zufolge einen nicht zu unterschätzenden Anteil der Behandlungskosten. In vielen anderen Ländern wird die zahnmedizinische Versorgung auf eine Stufe mit anderen nicht unbedingt notwendigen Maßnahmen gestellt. In den Niederlanden und der Schweiz beispielsweise muss diese fast vollständig privat finanziert werden. Deshalb geht in Europa der Trend zur Zahnzusatzversicherung. Viele Patienten können es sich nicht leisten, auf den horrenden Kosten sitzenzubleiben und schließen eine private Police ab. In Frankreich und Dänemark beispielsweise haben über 80 % der Bevölkerung Krankenzusatzversicherungen abgeschlossen. In Deutschland fällt die Versorgungslage deutlich positiver aus. Eine vollständige Übernahme aller Behandlungskosten sei aber politisch auch hierzulande nicht gerechtfertigt, so Wolfgang Eßler, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Durch eine gründliche Mundhygiene und Zahnpflege trage jeder Mitbürger Verantwortung für den Gesundheitszustand seiner eigenen Zähne bei und müsse in einem gewissen Rahmen dafür auch aufkommen.[6][7][8][9][10]

Selbst zahlen oder privat versichern?

In Frankreich ist nach dem Solidaritätsprinzip jeder Bürger krankenversichert. Die Allgemeine Krankenversicherung, die 80 % der Bevölkerung zu ihren Mitgliedern zählt, heißt dort „Régime générale d’assurance maladie“. Allerdings werden nur etwa 70 % der Arztkosten und 75 % der Kosten für Medikamente von der Allgemeinen Krankenversicherung übernommen, sodass den Versicherten eine vergleichsweise hohe Selbstbeteiligung aufgebürdet wird. Daher schließen 80 % der in Frankreich Versicherten freiwillig eine private Zusatzversicherung ab, die auch die zahnmedizinische Versorgung abdeckt. Ab 01. Januar 2016 sind Arbeitgeber allerdings verpflichtet, ihren Angestellten eine solche Krankenzusatzversicherung vertraglich anzubieten. Frankreich ist übrigens das einzige in der EURO-Z-II-Studie berücksichtigte europäische Land, das auch eine Selbstbeteiligung bei der individuellen, prophylaktischen zahnmedizinischen Versorgung von Kindern vorsieht.[8][11]

Aus deutscher Perspektive scheint schon das französische System seine Bürger auf unnötigen Kosten sitzenzulassen. Wirklich schockierend ist allerdings dagegen das ungarische Gesundheitssystem, das in einer tiefen Krise steckt. Die Lebenserwartung in Ungarn liegt noch unter der in Mexiko. Zwar ist das System beitragsfinanziert und soll durch die Erwerbstätigen getragen werden – die Hauptaufgabe der Krankenkasse liegt im Einziehen der Beiträge –, in der Praxis aber ist die medizinische Versorgung eine Katastrophe, sodass viele Leistungen auch zahnmedizinischer Art, durch die Patienten vollständig privat finanziert werden müssen oder gar nicht zugänglich sind. Ein privates Zusatzversicherungssystem gibt es in Ungarn nicht. Obwohl dort Zahnbehandlungen vollständig von den Krankenkassen übernommen werden, muss der Patient die Kosten für Zahnersatz komplett selbst bestreiten.[12]

Obwohl wir in Deutschland gern über unsere Regierung, unser Gesundheitssystem, die Krankenkassen und hohe Zahnbehandlungskosten schimpfen, sollte uns der europäische Vergleich doch zum Nachdenken anregen. Immerhin übernehmen unsere gesetzlichen Krankenversicherungen einen großen Teil der Kosten und wir haben die Möglichkeit unsere Selbstbeteiligung durch private Zahnzusatzversicherungen zu verringern. Die Mundgesundheit in Deutschland, meint Wolfgang Eßler, habe sich in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert. Und das haben wir sicher auch unserem Gesundheitssystem zu verdanken.[10]

Quellenangaben:

[1] Finanztest 02/2015, „Was bringt die Zahnpolice?“, S. 78–80. [2] „Europäischer Systemvergleich: Zahnmedizin in Deutschland auf hohem Niveau“, http://www.bzaek.de/fuer-medien/presseinformationen/presseinformation/bzaek/2015/03/03/europaeischer-systemvergleich-zahnmedizin-in-deutschland-auf-hohem-niveau.html, 30.09.2015 [3] David Klingenberger, „Euro-Z-II. Preisvergleich zahnärztlicher Leistungen im europäischen Kontext“, http://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/presse/pk/150303/02_Folien_DrKlingenberger.pdf, 30.09.2015 [4] Peter Engel, „Deutschland muss sich im europäischen Vergleich der Gesundheitssysteme nicht verstecken“, http://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/presse/pk/150303/03_Statement_DrEngel.pdf, 30.09.2015 [5] Martina Merten, „Gesundheitssysteme Mittel- und Osteuropas (Teil 9) - Rumänien: Veränderungen brauchen Zeit“, http://www.aerzteblatt.de/archiv/60065/Gesundheitssysteme-Mittel-und-Osteuropas-(Teil-9)-Rumaenien-Veraenderungen-brauchen-Zeit, 30.09.2015 [6] Guido Gruneberg, „Gesundheitssysteme in Europa: Das Gesundheitssystem der Niederlande“, http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/ppg/service/newsletter/iPG-newsletter_archiv/iPG-NL-02-03/Gesundheitssysteme_in_Europa/index.html, 30.09.2015 [7] Guido Gruneberg, „Gesundheitssysteme in Europa: Das Gesundheitssystem der Schweiz“, http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/ppg/service/newsletter/iPG-newsletter_archiv/iPG-NL-04-03/Gesundheitsystem_Schweiz/index.html, 30.09.2015 [8] Guido Gruneberg, „Gesundheitssysteme in Europa: Das Gesundheitssystem Frankreichs“, http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/ppg/service/newsletter/iPG-newsletter_archiv/iPG-NL-03-03/Gesundheitsystem_Frankreich/index.html, 30.09.2015 [9] „Das Gesundheitssystem in Dänemark“, http://www.aok-bv.de/politik/europa/index_01348.html, 30.09.2015 [10] Wolfgang Eßler, „Presskonferenz zur Vorstellung der EURO-Z-II-Studie“, http://www.aok-bv.de/politik/europa/index_01348.html, 30.09.2015 [11] „Betriebliche Krankenzusatzversicherung in Frankreich ab 2016 Pflicht“, https://www.yumpu.com/de/docum... , 30.09.2015 [12] Guido Gruneberg, „Gesundheitssysteme in Europa: Das Gesundheitssystem Ungarns“, http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/ppg/service/newsletter/iPG-newsletter_archiv/iPG-NL-01-05/Gesundheitssystem_Ungarn/index.html, 30.09.2015