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Alles für die regelmäßige Kontrolle - 26 Jahre Bonusheft

Zahnersatz ist teuer. Viele gesetzlich Versicherte in Deutschland beklagen sich darüber. Mit einem regelmäßig geführten Bonusheft lässt sich der Zuschuss der Krankenkassen für Kronen, Prothesen, Brücken und Implantaten erhöhen. 1989, vor genau 26 Jahren, wurde das Bonusheft im Rahmen einer Gesundheitsreform eingeführt. Mit der neuen Regelung sollte nicht nur Geld eingespart, sondern auch die Verantwortlichkeit der Bevölkerung für die eigene Gesundheit gestärkt werden.

Die Gesundheitsreform 1989

Der CDU-Politiker Norbert Blühm hat 1989 das Gesundheitsreformgesetz (GRG) erlassen. Meist ist der Zweck einer solchen Reform die Senkung der Kosten, die das Gesundheitssystem verursacht. Auch 1989 war dies der Fall. Es wurde eine „Negativliste“ mit Medikamenten ausgegeben, deren therapeutischer Nutzen nicht erwiesen war und die der Patient deshalb in Zukunft selbst zahlen musste. Die Rezeptgebühr stieg an. An vielen Stellen wurde der Eigenanteil der Versicherten erhöht, beispielsweise im Fall von Krankenhausaufenthalten und bei verschreibungspflichtigen Medikamenten [1][2][3]. Die Tatsache, dass Zahnersatz für gesetzlich Versicherte derart hohe Kosten verursacht, haben wir ebenfalls dieser Gesundheitsreform zu verdanken. Der Zuschuss der Krankenkassen für derartige Maßnahmen sank auf 50 %. Gleichzeitig führte der Gesetzgeber das Bonusheft ein. Wer regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt erscheint, kann damit den Festzuschuss der gesetzlichen Krankenversicherung bei Zahnersatz um bis zu 30 % erhöhen. Der Gedanke, der hinter dieser Regelung steckt, ist simpel. Bis zu einem gewissen Grad ist jeder selbst für seine Zahngesundheit verantwortlich. Eine gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt beugen späteren Erkrankungen und Zahnverlust vor. Der Gesetzgeber hält es deshalb für angemessen, gesundheitsbewusstes Verhalten mit höheren Zuschüssen zu belohnen. Diejenigen dagegen, die ihre Pflichten gegenüber sich selbst vernachlässigen, werden mit hohen Rechnungen bestraft. Sie schaden mit ihrem Verhalten nicht nur sich selbst, sondern liegen auch dem System auf der Tasche. Dennoch erscheinen noch immer etwa 60 % der Deutschen nicht häufig genug beim Zahnarzt, besitzen kein Bonusheft oder legen keinen Wert auf den jährlichen Stempel [2][4][5].

So funktioniert das Bonusheft

Das Bonusheft erinnert ein wenig an eine reformpädagogische Maßnahme. Wer zur jährlichen Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt erscheint, erhält einen Stempel. Fünf Stempel in fünf aufeinanderfolgenden Jahren erhöhen die Zuzahlung der Krankenkasse um 20 %, zehn Stempel ergeben eine Zuschusserhöhung von 30 %. Für Erwachsene ist die Kontrolluntersuchung einmal jährlich verpflichtend. Kinder dagegen müssen, um einen Stempel zu erhalten, zweimal im Jahr erscheinen. Bei ihnen nennt man die turnusmäßige Kontrolle Individualprophylaxe (IP). Dabei wird nicht nur der Zustand der Zähne überprüft, die kleinen Patienten sollen darüber hinaus über Zahnpflege und Mundgesundheit aufgeklärt werden. Obwohl bei Kindern die Krankenkassen geradezu alle notwendigen Behandlungsmaßnahmen vollständig übernehmen, ist das Führen des Bonusheftes auch für sie sinnvoll. So besteht bereits zur Volljährigkeit ein Anrecht auf den höchsten Bonus von 30 %. Wer nur ein einziges Mal die Untersuchung versäumt, muss mit dem Stempel-Sammeln von vorn beginnen. Ist der Patient aber zur Untersuchung erschienen, können nicht eingetragene Stempel nachgetragen werden. Der Zahnarzt kann für diese Leistung eine Gebühr von 2,33 € bis 8,15 € verlangen. Weigert er sich allerdings, das Heft nachträglich zu stempeln, hat der gesetzlich Versicherte ein Recht auf Schadensersatz in der Höhe der aus diesem Grund von der Krankenkasse nicht erstatteten Kosten. Auch wenn das Bonusheft verloren geht, gibt es die Möglichkeit, sich anhand der Einträge in der Patientenakte ein neues Heft anlegen zu lassen [4][6].

Für Patienten mit geringem Einkommen oder solche, die von Sozialleistungen leben, ist es möglich, die sogenannte Härtefallregelung in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall erstattet die Kasse den doppelten Festzuschuss. Wer die Einkommensgrenze für die Erhöhung des Zuschusses nur leicht überschreitet, profitiert davon, dass es sich um eine gleitende Regelung handelt. Das bedeutet, dass die Krankenversicherung im Grenzfall entscheiden kann, den höheren Betrag zu zahlen [4][6].

Wie hoch genau der Zuschuss der Krankenkassen ausfällt, ist im Katalog für Regelversorgung festgelegt. Je nach Diagnose wurden dort die entstehenden Behandlungskosten für die medizinisch notwendigen Maßnahmen geschätzt. Die Versicherung übernimmt einen Anteil von 50 %. Bei einem fehlenden Zahn kann der Patient beispielsweise mit folgenden Zuzahlungen rechnen (Stand 2015) [7]:

Festzuschuss ohne Bonusheft415,25 €
Bonus von 20 % (bezogen auf den Festzuschuss)498,30 €
Bonus von 30 % (bezogen auf den Festzuschuss)539,82 €
Doppelter Festzuschuss830,50 €

Bonusheft und Härtefallregelung sind allerdings nicht die Lösung aller Probleme. Trotz allem leisten die Krankenkassen nur für die gesetzlich festgeschriebene Regelversorgung. Die Kosten für ein Implantat sind damit beispielsweise keinesfalls gedeckt. Der Versicherte muss einen großen Teil der Zahnarztrechnungen aus eigener Tasche bezahlen. Daher ist es sinnvoll, den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung mit Leistungen im Bereich Zahnersatz in Erwägung zu ziehen. Eine solche Police kann den Eigenanteil des Patienten erheblich senken. Welcher Tarif der richtige ist, hängt dabei von den individuellen Bedürfnissen und vom Gesundheitszustand des zu Versichernden ab.

Fazit

Ein Bonusheft einzuführen und gleichzeitig die Zuschüsse der Krankenkassen bei Zahnersatz zu senken – diese Maßnahme hat einen bitteren Beigeschmack. Gründliche Zahnpflege und regelmäßige Kontrollen können Zahnverlust zwar vorbeugen, keinesfalls aber liegt die Verantwortung für die eigene Mundgesundheit vollständig beim Patienten. Genetische Faktoren, sonstige Erkrankungen und ärztliche Fehler können ebenso zu Zahnverlust führen wie eine ungenügende Hygiene. Trotz Bonussystem sind die Zuschüsse der Kassen noch immer relativ gering. Zu den Sorgen, die hohe Rechnungen verursachen, kommt nun noch das schlechte Gewissen wegen eines verpassten Zahnarztbesuchs hinzu. Die Individualprophylaxe im Kinder- und Jugendalter trägt zwar zur besseren Aufklärung über Zahngesundheit bei, verhindert aber keinesfalls Gesundheitsschäden, die aus anderen Gründen entstehen. Aufgrund der bestehenden gesetzlichen Regelung empfiehlt es sich selbstverständlich, das Bonusheft gewissenhaft zu führen. Ob aber diese Regelung in Deutschland tatsächlich ein größeres Verantwortungsbewusstsein erzeugt oder doch nur eine Sparmaßnahme ist, bleibt fragwürdig.

Quellenangaben:

[1] „1989: Gesundheitsreformgesetz (GRG)“, http://www.aok-bv.de/politik/reformaktuell/geschichte/index_00514.html, 28.10.2015 [2] „Gesundheitsreform in Deutschland“, https://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheitsreform_in_Deutschland, 28.10.2015 [3] „Gesundheitssystem – Wichtige Änderungen im Überglick“, http://www.n-tv.de/ratgeber/Wichtige-Aenderungen-im-Ueberblick-article268711.html, 28.10.2015 [4] „Bonusheft“, https://de.wikipedia.org/wiki/Bonusheft, 28.10.2015 [5] „Keine Zuschüsse verschenken“, https://www.kzvb.de/blickpunkt-patient/gut-zu-wissen/bonusheft/, 28.10.2015 [6] „Das Bonusheft“, http://www.kzbv.de/bonusheft.39.de.html, 28.10.2015 [7] „Festzuschüsse zum Zahnersatz“, http://www.kzbv.de/festzuschuesse-zum-zahnersatz.37.de.html, 28.10.2015